Vorgestellt: Antoaneta Slavova

Aktualisiert: 19. Sept 2019


Wer bist du?


Mein Name ist Antoaneta Slavova.

Ich bin vor neunzehn Jahren nach Deutschland gekommen, um zu studieren.

Ich habe Sozialpsychologie in Hannover studiert und später eine berufsbegleitende Weiterbildung in Kunsttherapie bei APAKT- Hamburg absolviert. Über zwölf Jahren habe ich in einer Beratungsstelle für Frauen und Mädchen mit Gewalterfahrung als Beraterin und Therapeutin gearbeitet, neun davon habe ich die Einrichtung geleitet. Nun habe ich mich dazu entschlossen mich dieses Jahr selbstständig als Kunsttherapeutin zu machen. Nach wie vor arbeite ich mit Frauen und auch im Bereich Frauen und Gesundheit, allerdings weitaus mehr kunsttherapeutisch.



Wie bist du zur Intuitiven Malerei bzw. Kunsttherapie gekommen?


Seit ich denken kann habe ich immer gemalt. Als Kind war das eine Art Rettung für mich.

Später wollte ich in Bulgarien Kunst studieren. Meine Eltern waren überhaupt nicht begeistert davon und forderten: „Lern etwas Vernünftiges, womit du auch Geld verdienen kannst...“ Also habe ich angefangen BWL zu studieren und festgestellt, dass das nichts für mich ist. Das einzige, was mich interessierte, waren die Fächer Organisationspsychologie und Ethik. Also entschloss ich mich in Deutschland Psychologie zu studieren. Es ist eine lange Geschichte... Auf jeden Fall war mir nach dem Studium in Sozialpsychologie klar, dass ich eine zusätzliche therapeutische Ausbildung machen will und diese mit Kunst zu verbinden. Die Vorstellung: Kunst mit Therapie, oder Kunst mit Psychologie zu verbinden, hat mich immer schon fasziniert.


Ich wusste schon früher, dass Malen heilen kann und auch, dass Reden als Methode begrenzt ist. Vor allem, wenn es um den Ausdruck von Gefühlen und Emotionen geht.

Was bedeutet das Malen für dich?


Es bedeutet viel für mich. Ich empfinde es als eine Bereicherung für mich als Therapeutin und auch für die Klientinnen. Es erschafft eine Art Erleichterung im therapeutischen Setting, wenn es um unangenehme und unausgesprochene Gefühle und Emotionen geht. Tatsächlich benötigt es viel Vertrauen, um sich fallen zu lassen. Zum Beispiel: Am Anfang einer Therapie arbeite ich nie mit flüssigen Farben, sondern nur mit Kreide oder festen Stiften. Damit die Geschichte der Klientin, d.h. das Gesagte „im Rahmen bleibt“, also stabilisierend wirkt und, nicht fließt. Später, wenn das Vertrauen da ist, darf „das Gesagte“ im Farben fließen.


Ich arbeite nach wie vor mit Menschen anderer Herkunftsländer. Das beschäftigt mich schon immer, da ich selber eine Migrationsgeschichte habe. Farben und Emotionen spielen eine sehr große Rolle in die jeweiligen Kultur. In dem kunsttherapeutischen Setting nehme ich das auch auf. Kunsttherapeutische Methoden, ihre Verwendung und der Umgang im therapeutischen Setting können eine Weiterentwicklung erfahren, wenn die Kultur des Gegenübers, seines Herkunftslandes als Ressource berücksichtigt wird. Jede ethnische Gesellschaft hat ein spezifisches Bildgedächtnis, dass sich aus der Geschichte, Kultur und den Erfahrungen seines Landes speist (Natur, Erziehung, Architektur, Rituale, Religion, Kunst etc.).

Eine psychische Reaktion mag ähnlich sein, aber die Verarbeitung ist aus dem kulturell-gesellschaftlichen Zusammenhang unterschiedlich. So können Bilder eines/r Migrant*in etwas anderes erzählen, als der einheimische Therapeut vermutet oder imaginiert.

Meine Masterarbeit in Sozialpsychologie schrieb ich über die Ethnopsychoanalyse und transkulturelle Psychiatrie und Psychotherapie. In diese Richtung habe ich auch meine Abschlussarbeit in Kunsttherapie verfasst. Nämlich über die Arbeit mit einer kulturübergreifenden Kunsttherapie und Beschreibung des Übertragungsgeschehen.


Bei Interesse kann man hier ein wenig mehr davon lesen:

https://www.ms.niedersachsen.de/themen/gleichberechtigung_frauen/frauen_gesundheit/netzwerk_frauen_maedchen_und_gesundheit_niedersachsen/rundbriefe--dokumentationen-173658.html


Ich hatte damals einen Vortrag zu dem Thema: „Ressourcenorientierte kunsttherapeutische Gruppe für geflüchtete Frauen“ gehalten.

Meine Vision wäre die Entwicklung der Kunsttherapie auf internationaler Ebene aufzubauen und nicht nur die westlich- orientierte, industrielle Kultur zu berücksichtigen, sondern auch die Süd/Ostorientierte. Nach mehreren Jahren kunsttherapeutischer Arbeit mit Frauen anderer Herkunftsländer in Deutschland, stelle ich dabei enorme Ressourcen vor. Ich habe vor, in dieser Richtung mehr zu machen und freue mich über eine Zusammenarbeit mit Institutionen und Universitäten, die Interesse daran haben.



Was macht das Malen mit dir?


Es befreit mich. Es lässt mich fliegen.

Ich habe über zwölf Jahren in einem Beratungszentrum für Frauen und Mädchen mit Gewalterfahrung gearbeitet und 9 Jahren davon geleitet. Mehr dazu www.ophelia-langenhagen.de. Das ist keine einfache Arbeit. Ich hatte mit Notfälle zu tun, wenn es um Fälle von häuslicher Gewalt ging, und habe mit vielen traumatisierten Frauen und Mädchen gearbeitet. Die Kunsttherapie hat mir immer wieder gezeigt, dass das die

beste Methode dafür ist, diese Frauen und

Mädchen erstmal zu stabilisieren

und dann teilweise aus der Situation der Gewalterfahrung rauszuholen. Gleichzeitig war das immer wieder meine Psychohygiene. Ich male gerne nach der Sitzung mit einer Klientin. Vor allem wenn es mir zu viel wurde, oder prüfen wollte, wo ich mich jetzt befinde: Noch bei der Geschichte der Klientin, oder bei mir?


Wann malst du? Wo malst du?


Wie bereits angedeutet, male ich gern nach der Sitzung in mein Maltagebuch oder zuhause.

Ich male überwiegend innere Bilder. Alle Bilder haben etwas mit mir zu tun.

Es tut mir gut, es auf das Papier fallen zu lassen. Zum Beispiel: Ich male unterschiedliche Themen und Ereignisse. Ich liebe die Natur und die Pflanzen.

Ich male auch gern groß, mit Händen und zu Musik. Ich male gern mit Kreide und Kohle.

Es gab eine Zeit, wo ich intensiv in einem Atelier bei einer Künstlerin gemalt habe. Das war eine tolle Erfahrung und ich überlege mir das zu wiederholen.


Hast du Tipps für Einsteiger?


Wir alle können malen. Du solltest es einfach zulassen und keine hohe Ansprüche haben, sondern einfach spielen lassen wie Kinder.

Leider verlernen wir das als Erwachsene ganz schnell, weil die Bewertung und die Kontrolle gegenüber uns selber mit der Zeit extremer wird.

Wenn Du die Augen schließt und ohne nachzudenken anfängst zu malen, oder etwas zu zeichnen, dann findet das Ganze unbewusst statt.

Den Verstand ausschalten und dem Herz das ganze Geschehen überlassen.


Hast du noch weitere Tipps, oder Erfahrungen, die du gerne teilen möchtest?


Wenn es um eine Ausbildung in Kunsttherapie geht, kann ich gerne die zugelassenen

Ausbildungsinstituten von DFKGT empfehlen. Ich habe meine Ausbildung bei APAKT- Hamburg gemacht. Das wichtigste für mich waren die Selbsterfahrungsjahre. Diese waren sehr intensiv.

Erst dann haben wir die Theorie und die Methode gelernt.


Mit welchem Medium arbeitest du am Liebsten?


Papier und Kreide, Kohle, Bleistifte, flüssige Farben jeder Art.

Ich bin auch dabei mit Pflanzenfarben zu experimentieren.



Wie sieht dein Angebot aus? Bietest du Einzelsitzungen und/oder Kurse an?


Ja. Bei mir gibt es die Möglichkeit im Einzelsetting, oder auch in Gruppen zu arbeiten.


Einzelberatung und Therapie umfasst das Erstgespräch zum Kennenlernen

und die Anamnese (Erfragung und Erfassung von gesundheitlicher Information).

Es geht zuerst um eine erste Einschätzung der Situation und Vertrauensgrundlage für einen weiteren therapeutischen Prozess zu schaffen. Jede weitere Einzelsitzung ist abhängig davon, was die Klientin braucht.





Bei den Gruppenangeboten handelt sich um geschlossene Gruppen von ca. 12 Sitzungen.

Es sind überwiegend angeleitete Selbsterfahrungsgruppen.Die Teilnehmerinnen haben hier die Möglichkeit, sich auszutauschen und Unterstützung zu bekommen. Es wird in einer vertraulichen Atmosphäre und mit unterschiedlichen kunsttherapeutischen Methoden gearbeitet. Die Arbeit in der Gruppe ist genau so intensiv wie bei einer Einzelsitzung. Die Teilnehmerinnen setzten sich im kunsttherapeutischen Prozess bewusst und unbewusst auseinander. Sie profitieren von einander durch das Austausch und Besprechung der Bilder und ich begleite Sie therapeutisch professionell dabei. Wir experimentieren mit den Materialen und die Farben, denn in diesem kreativen Prozess findet auch die Veränderung statt. Seit 2017 entwickele ich meine eigene kunsttherapeutische Methode, die so genannte Bilder-Set Methode. Ich bin zurzeit dabei diese präziser zu beschreiben und lizenzieren zu lassen. Wenn Interesse besteht, werde ich gern zu einem späteren Zeitpunkt mehr davon erzählen.


Wo kann man mehr von dir sehen?


Auf die Internetseite: www.bilderset-methode.com kann man sehen, auf welchen Themenbereichen ich mich konzentriert habe. Die Internetseite ist noch im Aufbau. Es folgt viel mehr Inhalt. Es ist aber schon möglich, sich ein Bild davon zu machen, wie ich arbeite und wer ich bin. Ich bin mit meinen Bilder und Themen, die mich beschäftigen, auch bei Instagram vertreten

und zwar unter @arttherapyfrida.


Liebe Isabel, ich habe Dich auch dort kennengelernt und ich finde es eine tolle Idee, der Kunsttherapie eine andere Art von Popularität zu geben. Ich bin auch nach wie vor positiv überrascht und fasziniert (das habe ich schon sehr oft erwähnt) was für ein bereicherndes Netzwerk sich bei Instagram inzwischen, bezüglich Kunst/Kunsttherapie und Psychotherapie, aufbaut.

Danke für das Vertrauen.


Auch ich sage DANKE!


Mehr über Antoaneta hier:

Webseite: bilderset-methode.com

Instagram: www.instagram.com/arttherapyfrida


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