Vorgestellt: Hannah Elsche Kunsttherapeutin

Die Artikel der Rubrik "Vorgestellt" sollen die wertvolle Arbeit von Kunsttherapeutinnen und Künstlerinnen im Intuitiven Malen zeigen. Beginnen möchte ich mit der Kunsttherapeutin Hannah Elsche, die mich mit ihrer Arbeit sehr inspiriert. Hannah lebt und arbeitet in Berlin.


@Hannah Elsche


Hannah, magst du dich bitte kurz vorstellen.


Mein Name ist Hannah Elsche, ich bin Kunsttherapeutin M.A., Heilpraktikerin für Psychotherapie und Mutter von zwei kleinen Kindern. Seit April 2018 arbeite ich selbstständig als Kunsttherapeutin in Berlin mit Frauen rund um die Themen Schwangerschaft, (traumatische) Geburt und Kinderwunsch.


Wie bist du zur Kunsttherapie gekommen?


Ich habe zunächst in Regensburg und Nürnberg Kunstpädagogik und Germanistik auf Lehramt studiert. Ich konnte mich allerdings mit dem Beruf nie so wirklich anfreunden, da ich selbst leidenschaftlich gerne künstlerisch arbeite, das Schulsystem aber mit seinem Bewertungssystem meinem Verständnis von Kunst vollkommen entgegenlief.

Zugleich finde ich, dass der Stellenwert von Kunst im schulischen Kontext leider nach wie vor vernachlässigt wird und eher rückläufig zu bewerten ist.

Nach dem 1. Staatsexamen zog ich dann nach Berlin und hörte das erste Mal von der Kunsttherapie. Ich fand das zunächst einmal lediglich interessant und bewarb mich für den Masterstudiengang Kunsttherapie an der Kunsthochschule Weißensee. Nach der Aufnahme stellte ich innerhalb kürzester Zeit fest, dass es genau das ist, was ich tun möchte und das ich mir nicht vorstellen kann, anderes zu tun. Es war sozusagen Liebe auf den ersten Blick.


Was bedeutet die Kunsttherapie für dich? Was fasziniert dich daran so?


Die Möglichkeit über den Weg des kreativen Schaffens anderen Menschen helfen zu können und ihnen Zugang zu ihrer inneren Erlebniswelt eröffnen zu können, finde ich eine wundervolle und faszinierende Herangehensweise. Gerade im Zusammenhang mit den Themen Selbstbestimmung und Ressourcenaktivierung kann Kunsttherapie fantastische Ergebnisse erzielen und zugleich bleibt auch noch der handwerkliche Charakter, die Arbeit mit echten künstlerischen Materialien erhalten.



@Hannah Elsche


Hast du selbst schon Erfahrungen damit gemacht? Bzw. malst du selbst und was macht es mit dir?


Letztendlich ist künstlerisches Schaffen ja immer auch irgendwie therapeutisch, denn es geht ja um die Sublimierung irgendwelcher Gefühle und der Versuch, die eigene Welt in Bilder oder andersartige künstlerische Werke zu fassen. So gesehen habe ich Erfahrungen Zeit meines Lebens gesammelt, denn Kunstschaffen gehört seit ich denken kann zu mir, nur dass sie eben noch unreflektiert waren. Während meines Studiums hatten wir dann kunsttherapeutische Selbsterfahrung in der Gruppe und das gesamte Studium wurde durch tiefenpsychologische Eigentherapie begleitet, was den Blick auf die eigene Arbeit auch sehr verändert hat. Ich male, zeichne und collagiere nach wie vor. Künstlerische Arbeit gehört für mich zum Leben dazu. Hin und wieder stelle ich auch aus. Auszustellen macht Spaß, aber ich nutze die Kunst eben mittlerweile auch bewusst zur Auseinandersetzung mit eigenen Themen und ich merke dabei durchaus, dass die Arbeiten einen sehr persönlichen Bezug haben, den ich nicht immer mit anderen Menschen teilen möchte.


Mit welchen Menschen arbeitest du? Welche Personen möchtest du erreichen?

Was ist deine Intention?


Ich habe mich in meiner kunsttherapeutischen Arbeit schwerpunktmäßig auf Frauen* rund um die Themen Schwangerschaft, (traumatische) Geburten, Kinderwunsch, Verlusterfahrung und alles, was den Bereich Elternwerden betrifft, verlegt. Bei mir stehen Frauen* in einer der sensiblesten Phasen ihres Lebens im Mittelpunkt. Sie möchte ich erreichen und ihnen dabei helfen, einen guten Umgang mit den neuen Herausforderungen und Veränderungen zu finden. Gleichzeitig will ich ihnen den Raum und die Zeit geben, diesen Veränderungen zu begegnen und sie darin unterstützen, sich nicht verunsichern zu lassen und selbstbestimmt diesen Ausnahmesituationen begegnen zu können.


(Kunst)therapie klingt für viele oft erst einmal abschreckend…

Hast du damit auch schon Erfahrungen gemacht?


Ja, alles Therapeutische scheint in Deutschland nach wie vor noch sehr stigmatisiert zu sein. Klient*innen erzählen daher auch häufig nicht, dass sie zu mir kommen, sondern geben z.B. vor zum Sport zu gehen. Erschwerend hinzu kommt, dass Kunsttherapie weder eine geschützte Therapieform noch Kassenleistung ist. Das wirkt auf viele zusätzliche abschreckend und grenzt auch viele aus.


Wie schaut dein Angebot aus?


Ich habe verschiedene Kursangebote. Therapeutisch arbeite ich im Einzel- und Gruppensetting.

Das Einzelsetting gestaltet sich sehr individuell je nach dem, mit wem ich es zu tun habe. Dazu gehören auch mobile Angebote, falls eine Frau z.B. aufgrund einer Risikoschwangerschaft das Bett hüten muss oder im Krankenhaus liegt. Diese Stunden vereinbare ich ganz nach Wunsch. Meine Gruppen sind nach verschiedenen Themenbereichen, wie Schwangerschaft oder Zustand nach der Geburt, ausgerichtet und für bis zu sechs Frauen. Daneben biete ich noch regelmäßige Kreativworkshops mit kunsttherapeutischen Elementen zur Entspannung und auch einen ganz klassisch pädagogischen Kunstkurs für jede*n an.


Wie ist deine Arbeitsweise?


Ich habe eine tiefenpsychologische Form der Kunsttherapie gelernt. Das heißt ich arbeite psychoanalytisch und vor allem nondirektiv. Bei mir gibt es keine Themen und Vorgaben. Alles darf geschehen, nichts muss, alles ist willkommen und mit allem können wir arbeiten. Auf keinen Fall brauchen meine Klient*innen zu fürchten, bewertet zu werden, das findet nicht statt. Sie sind die Expert*innen für ihre inneren Bilder und genau so soll das auch in die Kunsttherapie übersetzt werden.

Mit welchem Medium arbeitest du am Liebsten?


Persönlich arbeite ich am liebsten mit verschieden, gemischten Medien (mixed media – klingt englisch gleich viel professioneller) auf Papier oder auch gerne mit Ton. Ich mag es nicht, mich da festlegen zu lassen. Ich bin auch nicht fürs planvolle Arbeiten geboren, sondern mag für mich eine intuitive, spontane Herangehensweise, bei der sich auch plötzlich alles verändern kann und ich viel experimentieren und ausprobieren kann. Nichtsdestotrotz finden sich in meinen Arbeiten immer gegenständliche meist figürliche Komponenten. Der Mensch scheint einfach einen Schlüsselreiz in mir auszulösen…


Kannst du Bücher empfehlen?


Das erste Buch, das mein Herz für die Kunsttherapie geöffnet hat und das ich noch vor dem Studium gelesen habe, war von der österreichischen Kunsttherapeutin und Vorreiterin im deutschsprachigen Raum Edith Kramer: „Kunst als Therapie mit Kindern.“ Das kann ich immer noch jeder*m Interessierten ans Herz legen. Für ein tieferes Verständnis, wie ich es gelernt habe, kann ich natürlich die Bücher meiner Professorin Dr. Karin Dannecker empfehlen.


Hast du Tipps für Interessierte?


Interessierten kann ich empfehlen, es einfach auf sich zukommen zu lassen, sich das Gegenüber genau anzugucken, sei es als Therapeut*in oder im Zusammenhang mit einer Ausbildung. In der Kunsttherapie als therapeutischer Form geht es immer auch um Beziehung. Darüber sollten sich Interessierte bewusst sein und gucken, was zu ihnen passt.



@Hannah Elsche


Liebe Hannah, danke, dass du dir die Zeit genommen hast!


Du findest Hannah hier:

www.hannahelsche.de

https://www.instagram.com/kunsttherapie_hannahelsche/



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